Orkantief über Deutschland"Emma" fordert erstes Todesopfer
Ein Loch im Dach: die Folge des Crashs zwischen ICE und Baum
Während "Emma" in der Nacht zum Samstag noch nicht so schlimm gewütet hatte wie befürchtet, nimmt das Orkantief über Deutschland am Vormittag an Stärke zu und hat inzwischen auch das erste Todesopfer gefordert. Ein 58 Jahre alter Mann wurde im Westerwald in einem Auto von einem umstürzenden Baum erschlagen. Darüber hinaus machen die Stürme vor allem der Deutschen Bahn zu schaffen und haben ihren Fahrplan bereits kräftig durcheinander gewirbelt. Am frühen Morgen prallte ein ICE in Nordrhein-Westfalen gegen einen umgestürzten Baum; dabei wurden mehrere Menschen verletzt, darunter auch der Lokführer. Auch gehörige Sachschäden hat "Emma" bereits angerichtet: Auf einer Landstraße in Osthessen fielen auf einer Strecke von nur drei Kilometer gleich 50 Bäume auf die Fahrbahn.
Auf dem Heimweg von der Nachtschicht
Der tödliche Unfall hatte sich bei Wissen im Westerwald ereignet. Der Mann saß auf der Rückbank des Wagens als eine über 30 Meter hohe Fichte vom Wind umgeknickt wurde und auf das Auto fiel, teilte die Polizei mit. Der Mann starb noch an der Unfallstelle. Der 20-jährige Autofahrer und zwei weitere Autoinsassen kamen mit dem Schrecken davon. Die vier Männer waren nach der Nachtschicht auf dem Weg nach Hause, als ihnen ein umgestürzter Baum den Weg versperrte. Beim Zurücksetzen des Wagens knickte dann der zweite Baum um und krachte auf das Auto.
Immer noch lila und rot: die Warnungen der Unwetterzentrale
Zugverbindungen betroffen
Besonders stark hat "Emma" den Fahrplan der Deutschen Bahn durcheinandergewirbelt. Wegen umgeknickter Bäume, die Oberleitungen beschädigten, mussten im Laufe der Nacht von Hamburg bis Bayern zahlreiche Strecken gesperrt werden. Davon betroffen waren am Vormittag die Verbindungen Gütersloh-Hamm, Münster-Osnabrück, Oberhausen-Emmerich, Gladbeck-Wuppertal, Köln-Gerolstein und Ansbach-Nürnberg. Viele Züge kamen deshalb mit bis zu einer Stunde an.
Telefonnummer für Infos
Wegen der Zugrichtung des Sturmtiefs von West nach Ost geht die Bahn davon aus, dass auch Streckenabschnitte im Raum Erfurt, Leipzig und Dresden beeinträchtigt werden könnten. Zugreisende können sich unter der kostenlosen Telefonnummer 08000-996633 über mögliche Störungen informieren. Eine Übersichtskarte im Internet zeigt unter http://www.bahn.de den aktuellen Stand der Störungen.
220 km/h auf dem Wendelstein
An der Nordsee erreichte der Sturm bereits in der Nacht vereinzelt Windstärke 11. In List auf Sylt wurden Spitzengeschwindigkeiten von 104 Stundenkilometern, auf der Hallig Hooge und in Büsum 101 gemessen. Landeinwärts blieb es im Flachland bei Windstärken von 8 bis 9. In den Bergen erreichte der Sturm Windstärke 12, allein 140 Stundenkilometer auf dem Brocken, was jedoch nicht ungewöhnlich für diese Höhenlage ist. Die höchsten Windgeschwindigkeiten wurden allerdings am Samstagvormittag in den Alpen gemessen: 220 Stundenkilometer auf dem Wendelstein, berichtet Meteomedia-Chef Jörg Kachelmann. In Nordrhein-Westfalen erreichte "Emma" Windgeschwindigkeiten bis zu 135 Stundenkilometer.
"Erst der Anfang"
"Die derzeitigen Windgeschwindigkeiten sind erst der Anfang", prophezeite Martin Puchegger vom Wetterdienst Meteomedia am Samstag - übrigens der meteorologische Frühlingsanfang - in Bochum. "Emma" sei nicht "so großflächig wie 'Kyrill'", sagte Pucheggers Chef Jörg Kachelmann. Aber das örtliche Geschehen sei teilweise durchaus "dramatisch".
50 Bäume umgeknickt
Am Frankfurter Flughafen fielen zahlreiche Flüge aus, einige S-Bahnen fuhren nur verkürzte Strecken. Im osthessischen Eichenzell lagen auf einer Strecke von knapp drei Kilometern 50 Bäume quer über der Fahrbahn. In Teilen Baden-Württembergs hagelte es so heftig, dass der Streudienst anrücken musste. In Bayern behinderten Bäume und umgerissene Schilder massiv den Autoverkehr. In Franken und der Oberpfalz traten nach starken Regenfällen Flüsse über die Ufer. In anderen Bundesländern führten umstürzende Bäume zu Stromausfällen.
Wohnwagen blockiert Straße
Während von den Küsten zunächst keine Schäden gemeldet wurden, berichteten die Polizei in Bochum von einem Wohnwagen, einem Anhänger und zwei umgestürzten Bäumen, die im Stadtgebiet kurzzeitig Straßen blockierten. In Dorsten im Kreis Recklinghausen sowie im hessischen Idstein und bei Trier behinderten ebenfalls umgestürzte und umgeknickte Bäume den Verkehr. In Augsburg geriet ein Werbeanhänger auf die Fahrbahn, mehrere Wahlplakate wurden weggeweht.
Bundesliga-Spiel abgesagt
Aus Sorge vor einem zweiten Orkan "Kyrill" waren bereits am Freitag zahlreiche Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden. Das für Samstag geplante Bundesligaspiel des FC Energie Cottbus gegen den VfB Stuttgart wurde nach einer Platzbesichtigung abgesagt, Thomas Gottschalks Samstagabendshow "Wetten, dass..?" in Halle an der Saale wurde wegen der Sturmwarnungen von der Innenstadt auf das Messegelände verlegt. Starker Wind hat auch am Großen Arber im Bayerischen Wald den Zeitplan am Samstag beim alpinen Ski-Weltcup durcheinandergewirbelt. Die FiS-Weltcup-Rennen wurden am Morgen zunächst verschoben, dann schließlich abgesagt.
Tödlicher Vorgänger
Der Orkan "Kyrill" hatte im Januar 2007 eine Schneise der Verwüstung durch Europa geschlagen. Er erreichte Windgeschwindigkeiten von bis zu 202 Kilometern pro Stunde. Damals starben 47 Menschen, elf davon in Deutschland. Versicherer schätzen die entstandenen Schäden auf 3,5 Milliarden Euro.
Quelle:http://nachrichten.t-online.de/c/14/38/93/32/14389332.html
Gruss burmtor
