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UNWORT DES JAHRES

  • blackpope
  • 18. November 2007 um 23:14
  • blackpope
    Gast
    • 18. November 2007 um 23:14
    • #1

    [SIZE="4"]"Herdprämie" oder "entartete Kultur"?[/SIZE]

    Manche Wortschöpfungen sind so dämlich, dass sie sprachlos machen. Deshalb kürt eine Jury das Unwort des Jahres. Einige Favoriten für 2007 stehen bereits fest: Es geht um Kinder, Kultur und das Klima.

    Frankfurt/Main - Diese Wahl würde konservative Familienpolitiker erfreuen. An der Suche nach dem Unwort des Jahres 2007 haben sich bislang rund 860 Einsender beteiligt - und als Favorit auf den Titel gilt bisher das Wort "Herdprämie". Mit dieser Wortschöpfung würden Mütter beleidigt, die ihre Kinder zu Hause erziehen wollten, sagte der Initiator des Wettbewerbs, Professor Horst Dieter Schlosser. Das Wort war vor allem von Familienpolitikern der SPD und der Grünen benutzt worden, um die Elterngeld-Pläne der Unionsparteien zu kritisieren.

    Die Jury um den Frankfurter Germanisten Schlosser sucht sprachliche Missgriffe, die grob unangemessen sind oder sogar die Menschenwürde verletzen. Dabei entscheiden die insgesamt acht Juroren nach einem besonders krassen Missverhältnis zwischen Wort und Sache.

    Gemessen an diesem Kriterium überrascht es kaum, dass zu den Favoriten auch der Begriff "entartete Kultur" zählt, den der Kölner Kardinal Joachim Meisner im September in einer Predigt verwendet hatte. "Das ist ein Griff in die NS-Stereotypenkiste", sagte Schlosser. Meisner hatte gesagt: "Dort, wo die Kultur vom Kultus, von der Gottesverehrung abgekoppelt wird, erstarrt der Kult im Ritualismus und die Kultur entartet." Später bedauerte er - nach massivem öffentlichem Druck - seine Äußerung.

    Bei der mittlerweile 17. sprachkritischen Aktion sind eine ganze Reihe weiterer unwortverdächtiger Vorschläge eingegangen. Gute Chancen sieht Schlosser auch für die Begriffe "klimaneutrale Flüge", "Hausaufgabenclub", "Mumienpornografie" und "grundrechtsschonende Überwachungspraxis". "Entweder werden die Grundrechte gewahrt - oder eben nicht. Die Schonung verschleiert, dass sie doch nicht voll gewahrt werden", erläutert Schlosser.

    [color="Red"]Bundestrojaner[/color], Präventionsstaat und Casemanager

    Auch der Begriff "Aversionsjagd", den der sachsen-anhaltische Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) nach der Hetzjagd auf Inder im sächsischen Mügeln geprägt habe, gehöre zu den Favoriten. "Aversionen kann man gegen viel haben, aber deshalb hetzt man nicht die Menschen durch die Straßen und verprügelt sie."

    Ebenfalls gut im Rennen liegen der "Bundestrojaner" als "Umschreibung für amtliche Viren in privaten Computern für Online-Durchsuchungen". Und auch der Begriff "Präventionsstaat" sei Einsendern und Juroren unangenehm aufgefallen. "Das ist eine vornehme Umschreibung von Überwachungsstaat", kritisiert Schlosser. Als Hinweis darauf, dass die Medizin nur noch wissenschaftlich-technisch gesehen werde, wertet der Wissenschaftler den Begriff "Patientenmanager" für einen Arzt und "Casemanager" für einen Bediensteten der Sozialbehörde in Bremen.

    Da die Juroren nicht nach der Anzahl der Einsendungen entscheiden, sind Kampagnen sinnlos. So habe Schlosser innerhalb weniger Tage mehr als 100 Mails bekommen, in denen "Kopftuchverbot" als Unwort vorgeschlagen werde. Eine muslimische Organisation in Deutschland habe angekündigt, bis zum Einsendeschluss für die Unwort-Vorschläge am 7. Januar rund 1000 Mails zu schicken. "Solche Unterstützeraktionen beeindrucken uns aber überhaupt nicht", betont der Germanist. Zudem sei das "Kopftuchverbot" kein Unwort, sondern - zumindest aus Sicht der Einsender - eher ein Unding.

    Die unabhängige Jury will Anfang 2008 das Unwort küren. Für das Jahr 2006 war "freiwillige Ausreise" gewählt worden.

    QUELLE:

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