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Charles Bukowski

  • blackpope
  • 21. Dezember 2007 um 18:00
  • blackpope
    Gast
    • 21. Dezember 2007 um 18:00
    • #1

    [FONT="Arial Black"][SIZE="5"]Gedichte vom südlichen Ende der Couch[/SIZE][/FONT]

    Zwei Trinker

    Ich versuchte zu schreiben,
    ich existierte kaum,
    meistens tippte ich
    dreckiges Zeug für
    Sexmagazine.

    Eddie versuchte zu malen.
    Auch er existierte kaum,
    aber er war besser dran
    als ich: Er wohnte
    in einem grossen Haus
    bei einer wunderschönen Frau
    die ihn versorgte.

    Eddie und ich
    tranken immer zusammen.
    Wir machten unsere Arbeit,
    und nicht zu knapp, aber
    wir tranken auch
    nicht zu knapp.

    Er hortete seine ganzen Bilder
    im Keller des Hauses -
    Hunderte lagen da
    durcheinander und
    zusammengeklebt.

    Er malte nur mit
    gelber Farbe, in die er
    schwarze Tinte rührte.
    Gelb war meine Lieblingsfarbe, deshalb
    gefielen mir seine Bilder.

    Tagsüber war ich
    bei ihm und trank
    und abends ging ich
    zurück in meine Wohnung
    und trank weiter
    und tippte.

    Es war eine
    aufregende Zeit
    obwohl wir es kaum
    zu was brachten
    und nie sehr weit weg waren
    vom Irrenhaus oder
    einem Leben in der Gosse.

    Wir zechten mit Fremden
    schlugen uns mit ihnen
    schrien herum
    in der prallen Sonne
    oder um Mitternacht
    es war uns scheissegal
    wir platzten vor Energie.

    Eddie hörte gern Musik
    wenn er malte
    und das verstand ich
    denn beim Schreiben
    hielt ich es genauso.

    "Lies mir ein paar von deinen
    gottverdammten Gedichten vor ..."

    Ich las, und er
    fuchtelte wild mit dem
    Pinsel auf der Leinwand herum,
    lauter Gelb mit schwarzen Striemen,
    und seine wunderschöne Freundin
    sah zu.

    Es müssen wohl zwei
    oder drei Monate gewesen sein
    die wir so herumbrachten.

    Eines Tages
    ging ich rüber
    und statt Eddie
    machte mir seine
    Freundin auf.

    "Eddie ist fort", sagte sie.
    "Ich hab ihn rausgeschmissen!"

    "Hat er seine Bilder mitgenommen?"

    "Nein. Die hab ich in die
    Mülltonne gestopft!"

    Mit einem mal
    sah sie nicht mehr
    wunderschön aus.

    "Weisst du wo er
    hin ist?"

    "Nein, und es ist mir
    auch scheissegal!"

    Sie machte die Tür zu.

    Eddie kam nie
    bei mir vorbei.

    Ab und zu mache ich mir
    Gedanken über ihn.

    Eines Abends
    betrank ich mich und
    ging nochmal zu dem Haus
    und versuchte
    seine ehemalige Freundin
    herumzukriegen.

    Ich schaffte es nicht.
    Ich ging wieder nach Hause.

    Ich musste weiter tippen.

    Ich war fünfzig
    und hatte keinen Job.

    Ich versuchte es sogar mit Malen
    aber ich war
    nicht annähernd
    so gut wie Eddie.
    Also schrieb ich wieder
    dreckige Stories.

    Ich sah Eddie
    nie mehr wieder
    und nach einer Weile
    verschwand er einfach
    aus meiner Erinnerung.

    Bis heute abend,
    zehn Jahre danach.

    Eddie, ich hab für andere
    nicht viel übrig.

    aber du hättest
    vorbeikommen können
    du hättest auf der
    Couch schlafen können
    oder auf dem Boden.

    Das ist nicht viel,
    ich weiss

    aber Gelb ist meine
    Lieblingsfarbe -

    nur für den Fall
    dass du dieses Gedicht
    irgendwo siehst.

  • blackpope
    Gast
    • 21. Dezember 2007 um 18:07
    • #2

    [SIZE="5"]Die Girls im grünen Hotel[/SIZE]

    Verrückt wie eh und jeh

    Bin betrunken und schreibe
    Gedichte um 3 Uhr morgens.

    Könnte ich doch bloß
    nochmal eine enge Pussy
    kriegen, nur noch
    ein einziges Mal,
    ehe die Lichter für immer
    ausgehen.

    Betrunken sitz ich da und
    schreibe Gedichte um
    3 Uhr 15.

    Manche sagen mir, ich sei
    berühmt.

    Warum sitz ich dann hier,
    allein und betrunken, und
    schreibe Gedichte
    um 3 Uhr 18?

    Ich bin so verrückt wie
    eh und jeh. Sie verstehen nicht,
    dass ich nie aufgehört habe
    an den Füßen aus Fenstern im
    4.Stock zu hängen.
    Ich tu es immer noch.

    Sogar jetzt, während ich
    hier sitze und dies schreibe,
    hänge ich an den Füßen
    aus dem Fenster, nur ein paar
    Stockwerke höher:
    68, 72, 101.

    Das Gefühl ist dasselbe:
    verbohrt, unheroisch
    und notwendig.

    Während ich hier sitze,
    betrunken, und Gedichte
    schreibe um 3 Uhr 24.

  • blackpope
    Gast
    • 21. Dezember 2007 um 18:12
    • #3

    [SIZE="5"]Roter Mercedes[/SIZE]

    Das Unmögliche

    Van Gogh bittet seinen Bruder um Farbe
    Hemingway testet seine Schrotflinte an sich selber
    Céline geht als Arzt pleite
    die Unmöglichkeit, Mensch zu sein.

    Villon als Dieb aus Paris verbannt
    Faulkner betrunken in den Gossen seiner Stadt
    die Unmöglichkeit, Mensch zu sein.

    Burroughs erschießt seine Frau
    Mailer sticht auf seine mit dem Messer ein
    die Unmöglichkeit, Mensch zu sein.

    Maupassant wird wahnsinnig in einem Ruderboot
    Dostojewski wird an die Wand gestellt
    Crane springt vom Heck in die Schiffsschraube rein
    die Unmöglichkeit.

    Sylvia, den Kopf im Gasherd wie eine gebackene Kartoffel
    Harry Crosby springt in die Schwarze Sonne
    Lorca von spanischen Soldaten auf der Strasse ermordet
    die Unmöglichkeit

    Artaud auf einer Bank im Irrenhaus
    Chatterton trinkt Rattengift
    Shakespeare ein Plagiator
    Beethoven mit einem Hörrohr im Ohr
    die Unmöglichkeit die Unmöglichkeit.

    Nietzsche unheilbar verrückt
    die Unmöglichkeit, Mensch zu sein
    allzumenschlich
    dieses Atmen
    ein und aus
    aus und ein

    diese verkrachten
    Existenzen
    diese Feiglinge
    diese Champions

    diese glorreichen
    verrückten Hunde
    die das Unmögliche tun
    und uns diesen
    schmalen Hoffnungsschimmer erhalten.

    --------------------------------------------------

    Vergiss es

    Also pass auf, wenn ich sterbe, will ich
    keine Tränen, sieh nur zu, dass ich
    abgeräumt werde, ich hatte ein
    erfülltes Leben, und wenn überhaupt einer
    eine Startvorgabe hatte, dann ich.
    Ich hatte sieben oder acht Leben
    in einem. Mehr kann man
    nicht wollen.
    Am Ende sind wir alle gleich
    also bitte keine Reden
    es sei denn, du willst sagen:
    Er wettete auf Pferde
    und darauf verstand er sich
    sehr gut.

    Du bist nach mir dran, und
    ich weiß schon jetzt etwas
    das du nicht weißt.
    Vielleicht.

  • blackpope
    Gast
    • 21. Dezember 2007 um 18:16
    • #4

    Ich mag Hunde lieber
    als Menschen und
    Katzen lieber als
    Hunde und mich
    am liebsten von allen, besoffen
    in meiner Unterwäsche
    aus dem Fenster schauend.

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