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Game over für Leipzig

  • blackpope
  • 14. Februar 2008 um 18:06
  • blackpope
    Gast
    • 14. Februar 2008 um 18:06
    • #1

    Games Convention

    Offiziell ist noch keine Entscheidung gefallen. Aber hinter den Kulissen scheint klar, dass die Messen gesungen sind: Leipzig verliert die Games Convention. Europas Leitmesse für Computer- und Videospiele wechselt 2009 offenbar nach Köln. Für die Messegesellschaft und die Region ist das ein herber Rückschlag.

    Wenn man Wolfgang Marzin in der Vergangenheit auf die Games Convention (GC) ansprach, kam der Geschäftsführer der Leipziger Messegesellschaft vor Begeisterung fast ins Singen. Mit leuchtenden Augen und unüberhörbar stolz schwärmte er davon, dass die GC mittlerweile nach der Tokyo Game Show die "wichtigste Publikums - und Fachbesuchermesse" der rasant wachsenden Computer- und Videospielbranche sei. Zudem gebe es in Deutschland keine Veranstaltung, die so schnell wachse wie "unsere GC", erzählte er gerne, zuletzt der "Süddeutschen Zeitung".

    Dass auch andere Messeplätze einen begehrlichen Blick auf die 2002 erstmals ausgerichtete Veranstaltung warfen, spornte Marzin eher an. Denn die Leipziger fühlten sich sicher - hatten sie das Konzept doch gemeinsam mit den wichtigsten Branchenvertretern und der Vorgänger-Organisation des Bundesverbandes Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) entwickelt. Während in den Hallen des Messegeländes Kids und Spiele-Freaks die neueste Software und dazugehörige Konsolen ausgiebigen Belastungstests unterzogen, machte die Branche nebenan im Kongresszentrum der Messe bereits im August das Weihnachtsgeschäft klar. Was mit 166 Ausstellern auf 30.000 Quadratmetern begann, hatte sich mittlerweile locker vervierfacht: 2007 lockten mehr als 500 Aussteller gut 185.000 Besucher auf das Gelände. Die GC, so Marzin, sollte auch ein wesentliches Werkzeug sein, Leipzig dauerhaft unter den Top fünf der deutschen Messegesellschaften zu positionieren.

    Ein offenes Geheimnis

    Heute klingen die Töne von der Leipziger Messe deutlich gedämpfter. Der Geschäftsführer ist nicht zu sprechen, und es obliegt Presse-Chefin Heike Fischer, zum Thema "Games Convention" Stellung zu nehmen. "Die Verhandlungen sind noch nicht abgeschlossen", betont sie, "die Gespräche laufen". Denn der Vertrag, den die Leipziger Messe mit dem BIU geschlossen hatte, läuft 2009 aus. Auch ein Verbandssprecher betont, dass "noch keine Entscheidung gefallen" sei. Nichtsdestotrotz sei man "aktuell im Gespräch mit verschiedenen Messestandorten" über "eine Fortführung unserer Branchenmesse über das Jahr 2008 hinaus", heißt es aus der Berliner BIU-Geschäftsstelle.

    Gleichwohl kennt auch Heike Fischer das offene Geheimnis, dass "die Industrie nach Köln will." Dort sitzt der Branchenriese Electronic Arts (EA), dessen Geschäftsführer auch Vorstandsmitglied des BIU ist. Der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zufolge haben sich auch die anderen großen Spielehersteller im BIU mehrheitlich für eine Verlagerung in die Domstadt ausgesprochen. Dabei, heißt es, sprechen sich die Branchengrößen weniger gegen die Messegesellschaft oder das GC-Konzept an sich als vielmehr gegen die Umfeld-Bedingungen aus. "Es gibt keine Kritik an der Leipziger Messe - im Gegenteil", betont auch Heike Fischer.

    Zu wenig Luxus, zu wenige Anbindungen

    Dennoch: Unter anderem, heißt es, seien die schlechte Anbindung Leipzigs an internationale Flugziele sowie ein "begrenztes Einzugsgebiet" Knock-Out-Kriterien gewesen. Zudem sei die Hotel-Kapazität der Messestadt insbesondere bei Luxushotels begrenzt. Doch auch hier, sagt Heike Fischer, habe die Messegesellschaft stetig daran gearbeitet, die Kritik-Punkte abzustellen: Man habe zur GC Charter-Verbindungen von wichtigen europäischen Flug-Drehkreuzen organisiert, um die überschaubare Linien-Anbindung des Leipziger Flughafens auszugleichen. Und mit den Leipziger Hotelliers seien Absprachen getroffen worden, die GC-Gäste bevorzugt einzubuchen.

    Für die wäre der Wegfall der GC "schlicht eine Katastrophe", sagt Holm Retsch, Geschäftsführer des Dehoga-Regionalverbandes Leipzig. Schließlich hätten die GC-Besucher erheblich dazu beigetragen, "dass das Sommerloch nicht ganz so tief wird". An den fünf Messetagen im August seien im Grunde alle Häuser komplett ausgebucht gewesen, viele Hotel-Gäste hätten sogar ins benachbarte Sachsen-Anhalt ausweichen müssen. Sollte die Messe tatsächlich wegfallen, rechnet der Geschäftsführer auch mit "deutlichen Einbußen in der Gastronomie". Schließlich lasse jeder Messegast statistisch immer noch "einige hundert Euro in der Region". Eventuelle Auswirkungen aber konkret zu beziffern, lehnt Retsch ab. "Das lässt sich nicht seriös machen", betont er. "Zudem ist die GC ja noch nicht weg."

    Im Leipziger Rathaus und im sächsischen Wirtschaftsministerium, deren Vertreter wechselweise dem Aufsichtsrat der Messe vorsitzen, will man sich zum drohenden Verlust der "Games Convention" nicht äußern - jedenfalls nicht, bis es ein offizielles Ergebnis gibt.

    Internationale Rotation

    Bis dahin gibt sich auch die Leipziger Messegesellschaft kämpferisch. "Die Marke Games Convention gehört der Leipziger Messe - und die verkaufen wir nicht", betont Heike Fischer. Olaf Wolters, Geschäftsführer des BIU, kontert das trocken: "Eine Branchenmesse ist da, wo die Branche ist - da ist der Name zweitrangig." Tatsächlich haben die Leipziger Idee, Konzeption und Namen der GC entwickelt, doch ohne den Verband, der sich als ideeller Träger der Messe versteht, vor allem aber ohne die Teilnahme seiner Mitglieder EA, Microsoft, Sony oder Nintendo, nützt das nicht viel.

    Zurzeit wird offenbar vor allem über Szenarien diskutiert, die sowohl die Messe als auch den Verband das Gesicht wahren lassen. Ein Modell könnte Insidern zufolge sein, dass die GC zwar nach Köln zieht, die Leipziger Messegesellschaft aber Veranstalter bleibt. Ein weiteres sehe vor, die Spielemesse künftig wandern zu lassen - von Leipzig über Köln, nach London oder Paris. Das sei "international nicht unüblich". So oder so: Die Stunde der Wahrheit rückt näher. Der Verband werde seine Entscheidung, was sich auf der und vor allem wo sich die GC ab 2009 abspielt, "innerhalb der kommenden zwei Wochen" kommunizieren, sagt Olaf Wolters.

    QUELLE:

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