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Internetanbieter bremst Tauschbörsen aus

  • Frostbiter
  • 7. März 2008 um 14:58
  • Frostbiter
    Gast
    • 7. März 2008 um 14:58
    • #1

    Bittorrent-Nutzer müssen bei Kabel Deutschland abends mit langsamen Downloads rechnen. In den USA gab es bei ähnlichem Vorgehen von Anbietern Klagen.
    Von FOCUS-Online-Autor Janko Röttgers (Los Angeles)
    Eigentlich klingt das gut: Kabel Deutschland verspricht seinen Internetkunden Download-Raten von bis zu 30 000 kbit pro Sekunde. Das Herunterladen einer durchschnittlichen Filmdatei sollte damit eigentlich nur ein paar Minuten dauern.

    Nutzer des Anbieters haben jedoch in den letzten Monaten andere Erfahrungen gemacht. Pünktlich um sechs Uhr abends, so die Schilderungen im Netz, brechen ihre Übertragungsraten zusammen. Bis Mitternacht fließen Datenpakete nur noch im Schneckentempo. Pünktlich um 0:01 Uhr ist wieder alles normal. „Ich kann die Uhr danach stellen“, berichtet ein Kabel-Deutschland-Kunde im Forum der Website Onlinekosten.de. Ein anderer bestätigt: „Nach zwölf Uhr läuft´s wieder problemlos.“ ZUM THEMA
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    „Tauschbörsen werden intensiv überwacht“Kabel Deutschland bestätigt Netzeingriffe

    Betroffen sind davon in erster Linie Downloads über die Tauschbörsen-Technologie Bittorrent. Kunden von Kabel Deutschland spekulieren deshalb, dass ihr Netzanbieter gezielt Bittorrent-Verbindungen bremst.

    Gegenüber FOCUS Online bestätigte Kabel Deutschland diese Eingriffe zumindest indirekt. „Die von Ihnen geschilderten Fälle sind in der Grundgesamtheit unserer Kunden Einzelfälle, da die überwiegende Mehrheit unserer Kunden keine Tauschbörsen nutzt“, so ein Firmensprecher. Kabel Deutschland bemühe sich auch in den Abendstunden mit hoher Netznutzung um Bandbreitengerechtigkeit. „Die Kapazität wird gerecht auf alle Nutzer verteilt.“ Mit anderen Worten: Wer Tauschbörsen nutzt und damit mehr Bandbreite als andere verbraucht, wird abends verlangsamt.

    Vorbilder in den USA

    Kabel Deutschland steht mit derartigen Maßnahmen nicht alleine dar. In den USA ist der Kabelnetzbetreiber Comcast für einen ähnlichen Umgang mit Bittorrent in den Schlagzeilen. Comcast nutzt eine Technologie der US-Firma Sandvine, um das Übertragen von Bittorrent-Daten im eigenen Netzwerk zu verhindern.

    Das Unternehmen bestritt diese Vorwürfe monatelang. Seit Anfang Januar gibt man nun zu, „angemessene Maßnahmen“ zum Verwalten seines Netzwerks einzusetzen. Wenn man seinen Kunden unbegrenzte Bittorrent-Downloads erlaube, dann könnten diese das Netzwerk verstopfen und damit anderen bei der Nutzung von Internet-Telefonie und ähnlichen Diensten behindern, so Comcasts Argumentation.

    Unterstützung bekommt Comcast für seine Position von der Entertainment-Industrie, die sich schon lange ein härteres Vorgehen gegen den Tausch von Filmen und Fernsehshows via Bittorrent wünscht.

    Anhörungen und Sammelklagen

    Kritiker argumentieren dagegen, dass Comcast auch den Zugriff auf zahllose legale Angebote behindere. So glaubt die kalifornische Downloadplattform Vuze, dass Comcasts Eingriffe wettbewerbswidrig sind. Vuze setzt auf die Bittorrent-Technologie, um seinen Nutzern legale Downloads von Anbietern wie der BBC oder dem US-Fernsehsender Showtime zu verkaufen.

    Die Firma hat sich deshalb mit einer Beschwerde an die US-Telekommunikations-Aufsichtsbehörde FCC gewandt– und scheint dort auf offene Ohren zu stoßen. FCC-Chef Kevin Martin erklärte angesichts einer Anhörung zu Comcasts Bittorrent-Blockade Anfang letzter Woche, seine Behörde nehme die Vorwürfe gegen die Firma sehr ernst. Einige Comcast-Kunden haben zudem damit begonnen, den Internetanbieter wegen irreführender Werbung zu verklagen.

    Keine Bremsen bei Arcor, Freenet & QSC

    In Deutschland ist eine derartige Debatte bisher noch unbekannt, weil die meisten Netzanbieter einen Bogen um derartige Eingriffe machen. So bestätigten QSC, Arcor und Freenet gegenüber FOCUS Online, dass sie keine Pläne haben, die Bittorrent-Downloads ihrer Kunden zu beschränken.

    „Wir greifen nicht in die Internetnutzung ein“, meint beispielsweise Freenet-Vorstandsmitglied Stephan Esch. „Daran wollen wir auch in Zukunft nichts ändern.“ Ein Grund dafür sei, dass ein Einfluss auf einzelne Nutzungsformen immer auch unschuldige Nutzer treffen könne.

    Nicht nur Piraterie

    Tatsächlich ist Bittorrent längst nicht mehr nur Tauschbörsennutzern vorbehalten, die sich darüber illegale Kopien aktueller Hollywood-Streifen besorgen. Immer mehr Netznutzer greifen auf Bittorrent-basierte Dienste wie Pando zurück, um Freunden und Familienmitgliedern Heimvideos und andere Dateien zukommen zu lassen, die zu groß zum Verschicken per E-Mail sind.

    Auch kommerzielle Videoanbieter setzen häufig auf Bittorrent, um die Kosten für den Vertrieb ihrer Sendungen zu senken. So kündigte der US-Fernsehsender NBC letzte Woche an, seine Shows in Zukunft über einen Bittorrent-basierten Download-Dienst anzubieten.

    Die Macher des Bittorrent-Videoplayers Miro finden zudem, dass die Technologie gerade für kleinere Firmen ohne große Ressourcen sehr wichtig sei. „Für die Anbieter, mit denen wir kooperieren, ist dies damit eine Frage der freien Meinungsäußerung“, meint Nicholas Reville von Miro.

    Kabel Deutschland: Downloads sind „zeitunkritisch“

    Ein Trost für Kabel-Deutschland-Kunden ist, dass die Firma ihre Bittorrent-Bremsen offenbar noch nicht flächendeckend einsetzt. So berichten Nutzer in einigen Orten, dass sie auch nach 18 Uhr keine Schwierigkeiten beim Herunterladen haben.
    Allen anderen rät die Firma zur Geduld: Downloads seien „zeitunkritisch, da sie im Hintergrund ablaufen“, so die Stellungnahme von Kabel Deutschland. Möglicherweise sollte die Firma derartige Ratschläge auch auf ihre Website übernehmen. Dort heißt es derzeit: „Insbesondere die hohen Download-Geschwindigkeiten (...) machen das Surfen über Kabel so attraktiv.“

    http://www.focus.de

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