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TV-Satellit Telstar 1 wird in die Umlaufbahn geschossen - 10.07.62 - 50 Jahre back

  • Gast
  • 9. Juli 2012 um 19:15
  • Gast
    Gast
    • 9. Juli 2012 um 19:15
    • #1
    Zitat

    Jubiläum: Vor 50 Jahren funkte erster TV-Satellit

    09.07.2012, 07:50 Uhr, Ulrike von Leszczynski

    Vor 50 Jahren übertrug Satellit "Telstar 1" die ersten Live-Fernsehbilder zwischen den USA und Europa. Was noch wackelte und knarzte, war der Beginn eines neuen Kommunikations-Zeitalters.



    Er sah aus wie ein übergroßer Wasserball, der mit seltsamen Antennen gespickt um die Erde eierte. "Faszinierend", hätte Mr. Spock im Science-Fiction-Streifen "Raumschiff Enterprise" dazu sagen können: "Der erste Kommunikationssatellit!" Nicht minder spektakulär erscheint die weiße Kugel mit Namen "Telstar 1" mit Blick in die Vergangenheit. Vor 50 Jahren, am 10. Juli 1962, ins All geschossen, war der Satellit so etwas wie die Eintrittskarte ins globale Dorf. Erstmals übertrug er Fernsehbilder live zwischen Amerika und Europa. Die Welt rückte auf der Mattscheibe zusammen. Die Menschheit begann, am Glück oder Unglück in fernen Erdteilen teilzunehmen - in bewegten Bildern und in Echtzeit.

    Auf "Raumpatrouille" mit dem Raumschiff Orion, spitze Ohren bei "Raumschiff Enterprise" oder futuristische Kugelsessel in schreiendem Orange - die 60er Jahre waren beseelt vom Griff nach den Sternen. Den Anfang machten 1957 die Russen mit dem Start ihres Satelliten "Sputnik", 1961 umrundete Juri Gagarin als erster Kosmonaut die Erde. 1969 landeten die Amerikaner auf dem Mond.

    In diesem Wettlauf hatte "Telstar 1" geradezu geerdete Ziele: 77 Kilo schwer und mit 3600 Solarzellen ausgestattet, sollte er in rund 8000 Kilometern Höhe das Telefonieren zwischen neuer und alter Welt einfacher machen und Alternativen zu den zunehmend überlasteten Überseekabeln bieten. Dazu galt es, Fernsehfunk-Signale aufzufangen, zu verstärken und zum jeweils anderen Kontinent wieder abzustrahlen. Denn TV-Signale waren zu schwach, um die weite Strecke über den Atlantik zu schaffen. Sie schafften es zu dieser Zeit kaum von einer Seite Amerikas auf die andere, erläutert Harald Wenzel, Mediensoziologe an der Freien Universität Berlin.

    Über die raffinierte technische Komponente des Telstar-Experiments, Gemeinschaftsprojekt des US-amerikanischen Telekommunikations-Unternehmens AT&T und der NASA, gibt es dicke Abhandlungen. Die Menschen vor den Fernsehern interessierten vor allem die bewegten Live-Bilder. Aus den USA war bei den ersten Tests eine wehende US-Flagge zu sehen. Die erste Empfangsstation in Frankreich revanchierte sich mit "Paris bei Nacht" und "La Chansonnette", gesungen von Yves Montand. Das Ereignis wurde in Kneipen und Wohnzimmern gefeiert wie ein Fest. US-Präsident John F. Kennedy, der das neue Medium Fernsehen zu nutzen wusste, sprach von der "Vision eines neuen Zeitalters weltweiter Kommunikation".

    Es war eine andere Zeit. In Westdeutschland gab es 1962 nur ein Fernsehprogramm, sechs Stunden am Tag. Erst ein Drittel aller Haushalte hatte ein Gerät. Es war normal, Nachbarn und Freunde einzuladen - zum Fernsehabend mit Krimis wie "Stahlnetz". Während der Tagesschau gehörte es sich nicht, andere Leute anzurufen. "Der Fernseher war zu dieser Zeit so etwas wie ein archaisches Lagerfeuer, das alle zusammengebracht hat", erläutert Medienwissenschaftler Wenzel. "Die Echtzeit-Erfahrung mussten die Zuschauer aber erst langsam lernen." Praktisch wie ein Zeuge dabei zu sein bei einem Ereignis, das habe die Sehgewohnheiten stark verändert.
    Es hatte zwar schon Live-Bilder von der Hochzeit der Queen 1953 gegeben - rund ein Jahr nach dem Start des deutschen TV-Programms überhaupt. Aber Bilder und Nachrichten aus Übersee, zeitgleich? Das glich einem kleinen Wunder. In den rund 15 Minuten, die Telstar pro Erdumlauf von beiden Kontinenten aus zu erreichen war, übertrugen die USA bald eine Rede Kennedys. Europa schickte eine Sendung mit Bildern aus den angeschlossenen Eurovisions-Ländern. Deutschland, das um einen "unpolitischen Beitrag" gebeten worden war, filmte einen Hochofen-Abstich in Duisburg-Rheinhausen.

    Es ist wie ein Kuriosum der Geschichte, dass Kennedy, der große Freund des Fernsehens, auch zum Mittelpunkt des ersten großen globalen Live-TV-Ereignisses wurde. Es war allerdings ein trauriger Anlass: Kennedys Beerdigung nach dem tödlichen Attentat im Jahr 1963. Von der Macht der damaligen Fernsehbilder her betrachtet, die sofort um die Welt gingen, fällt Soziologe Wenzel nur ein Vergleich ein: der 11. September 2001.

    1963 war "Telstar 1" allerdings schon kaputt - stärkere Satelliten in höheren Umlaufbahnen übernahmen nach und nach seinen Job. Der mehr als 30 Millionen US-Dollar teure Kommunikations-Pionier am Himmel zählt heute zu den "technischen Opfern" des Kalten Kriegs. Die Atombombenversuche der USA in der Atmosphäre hatten die Strahlung in seiner Umlaufbahn erhöht - und die empfindlichen Transistoren nach und nach zerstört. Seit November 1962 schweigt "Telstar 1" - aber als Weltraumschrott wird er erst in schätzungsweise 200 Jahren verglühen.

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    Jubiläum: Vor 50 Jahren funkte erster TV-Satellit - DIGITALFERNSEHEN.de
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