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Entsetzen macht sich in der Liga breit

  • burmtor
  • 1. Februar 2008 um 16:17
  • burmtor
    Profi
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    6.925
    Beiträge
    972
    • 1. Februar 2008 um 16:17
    • #1

    Transfer-Urteil: Entsetzen macht sich in der Liga breit

    Mit Entsetzen und Unverständnis hat die Fußball-Bundesliga auf das bahnbrechende Urteil des Obersten Sportgerichtshofs (CAS) im Fall des schottischen Profis Andy Webster reagiert. "Sollte das Urteil in dieser Form zur generellen Anwendung kommen, kann dies verheerende Folgen haben", erklärte Holger Hieronymus, Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL): "Wir dürfen nicht zulassen, dass künftig Arbeitsverträge einseitig und ohne triftigen Grund aufgelöst werden dürfen. Die Entscheidung ist mit den Grundsätzen des deutschen Arbeitsrechts nicht vereinbar. Solange es keine arbeitsrechtliche Klärung gibt, wird die DFL keine internationale Freigabe erteilen."

    Juristen beraten über die Folgen

    Die Liga-Spitze analysiert mit ihren Juristen derzeit eingehend die Konsequenzen des Urteils. Im Dialog mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und im Rahmen des Verbandes der Europäischen Fußball-Ligen (EPFL) wird der Ligaverband gemeinsam an einer solidarischen Position des Fußballs arbeiten. "Im Sinne unserer Klubs werden wir alles daran setzen, damit ein wesentlicher Grundsatz erhalten bleibt: Verträge sind zu erfüllen", sagte Hieronymus. Manager Horst Heldt vom deutschen Meister VfB Stuttgart sprach den Richtern in Lausanne jegliche Praxisnähe ab: "Das haben Leute entschieden, die in der Praxis keine Ahnung haben. Die großen Vereine werden die kleinen Klubs noch mehr schlucken."

    Rummenigge "bedauert" das Urteil

    Auch Bayern Münchens Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge, zugleich Vorsitzender der Europäischen Klub-Vereinigung (ECA), "bedauerte" das Urteil: "Weil damit wieder einmal die Position und die Planungssicherheit der Klubs geschwächt wird." Schalkes Manager Andreas Müller meinte: "Die Klubs halten die Verträge ein und müssen am Ende bluten. Man sollte darüber nachdenken, ob man gewisse Gehaltszahlungen erst im letzten Jahr vornimmt."

    Dramatische Folgen für den Fußball erwartet

    Das CAS-Urteil könnte ähnlich dramatische Auswirkungen auf den Profifußball haben wie im Jahr 1995 der Fall Bosman. Der Independent schrieb bereits von einem "Erdbeben". Auslöser für das Urteil war der in 2001 auf Druck der EU vom Weltverband eingeführte Artikel 17. Dieser besagt, dass ein Profi bei einem Wechsel ins Ausland seinen Kontrakt nach einer "geschützten" Laufzeit von drei (bis zum 28. Lebensjahr) oder zwei Jahren (nach dem 28. Lebensjahr) einseitig auflösen kann. Nach dem CAS-Urteil im Fall Webster muss der Spieler selbst oder der aufnehmende Verein allerdings nicht - wie von der FIFA gefordert - eine hohe Konventionalstrafe, sondern lediglich das noch ausstehende Gehalt zahlen.

    Holzhäuser: FIFA ist selber schuld

    Laut Bayer Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser hat die FIFA das CAS-Urteil aber selbst verschuldet und mit der Einführung des Artikels 17 ein Eigentor geschossen. "Mich überrascht das Urteil nicht. Das Problem ist der Artikel 17 selbst. Dieser wurde bar jeder Sachkenntnis und völlig ohne Not eingeführt. Aus irgendeinem Grund war man wohl der Ansicht, Spieler nicht länger als drei Jahre binden zu können", sagte Holzhäuser.

    van der Vaart will Artikel 17 nicht nutzen

    Den Profis spielt das CAS-Urteil unterdessen in die Karten. So könnte sich der Berliner Marko Pantelic, dessen Dreijahresvertrag im Juni 2009 ausläuft, bei einem möglichen Transfer ins Ausland für rund 1,5 Millionen Euro freikaufen. Normalerweise wäre der Serbe nicht für weniger als vier Millionen Euro zu haben. Glück hatte in diesem Zusammenhang zuletzt der Hamburger SV. Denn der umworbene Mittelfeldstar Rafael van der Vaart kündigte bereits an, seinen angekündigten Abschied vom HSV keinesfalls mit Hilfe des FIFA-Paragraphen 17 erwirken zu wollen. "Das will ich nicht. Ich habe den Verantwortlichen auch bereits gesagt, dass ich das nicht tun werde", sagte der 24-Jährige.

    Bruchhagen nimmt Urteil emotionslos hin

    Die FIFA verwies in ihrer Reaktion auf das CAS-Urteil auf die Problematik, dass sich die Entschädigung, die ein Spieler schuldet, der seinen Vertrag ohne triftigen Grund vorzeitig auflöst, ohne Weiteres im Voraus berechnen lasse. Für das System sei dies verheerend. Die Hände reiben könnten sich wohl einzig die Spielervermittler, die ihre Klienten gewinnbringend neuen Klubs anbieten könnten. "Deshalb müssen wir bei Vertragsabschlüssen in der Zukunft noch genauer auf den Charakter des Spielers achten", erklärte Frankfurts Vorstandsboss Heribert Bruchhagen, der nach dem CAS-Urteil bereits ein Treffen mit Klub-Anwalt Christoph Schickhardt anberaumte: "Natürlich bin ich nicht amüsiert über das Urteil. Es ist nicht schön, wenn Verträge nach zwei Jahren keinen Wert mehr haben. Welche Konsequenzen das für uns haben wird, kann ich schon erahnen. Aber wenn die Straßenverkehrsordnung geändert wird, dann muss ich mich auch danach richten", meinte Bruchhagen.

    Gruss burmtor

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