Düsseldorf - Die Zahl der Arbeitslosen geht zurück, die Wirtschaft expandiert - doch immer mehr Verbrauchern in Deutschland steht das Wasser bis zum Hals: 7,3 Millionen Deutsche sind nach Angaben der Wirtschaftsauskunftei Creditreform überschuldet. Das heißt, dass umgerechnet bei jedem zehnten deutschen Erwachsenen die monatlichen Ausgaben höher sind als die Einnahmen. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht das einem Anstieg um 2,1 Prozent. Überschuldung sei zunehmend nicht nur ein Problem der Unterschicht, sondern auch der Mittelschicht.
Helmut Rödl, Vorstand der Wirtschaftsauskunftei Creditreform, sieht mehrere Gründe für die zunehmende Verschuldung: Die Verbraucherpreise seien zuletzt deutlich gestiegen, die Nettolöhne hielten damit jedoch nicht Schritt, sagte Rödl bei der Vorstellung des „Schuldner-Atlas 2007“ in Düsseldorf. Viele der neuen Jobs, die geschaffen wurden, seien im Niedriglohnbereich angesiedelt. „Diese Menschen verschwinden zwar aus der Arbeitslosen-Statistik, aber ihr Einkommen - meist nur leicht über Hartz-IV-Niveau - verringert die Überschuldungsgefahr nur wenig. Das Geld reicht einfach nicht zum Leben“, heißt es im Schuldner-Atlas.
Arbeitslosigkeit ist nach Rödls Angaben nach wie vor einer der Hauptauslöser für Überschuldung. Zunehmend überschätzten viele Verbraucher aber auch ihre Konsummöglichkeiten, sagt der Experte. Mit anderen Worten: Sie leben über ihre Verhältnisse. Die Banken machten es ihnen aber auch relativ einfach, kritisiert Rödl: Der Kreditmarkt für Privatkunden werde intensiv beworben, die Anzahl der Konsumentenkredite sei in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen.
Schuldnerquote junger Menschen besorgniserregend
Besorgniserregend sei der deutliche Anstieg der Schuldnerquote bei jungen Erwachsenen - ausgehend freilich von einem niedrigen Niveau. Rödl führt dies insbesondere auf das Handy als Schuldenfalle zurück, aber auch auf negative Vorbilder im Elternhaus. Viele Eltern könnten nicht gut mit Geld umgehen und geben falsche Konsummuster weiter. Rund ein Prozent der unter 20-Jährigen und 8,6 Prozent der 20- bis 29-Jährigen sind überschuldet. 2004 waren es noch 0,4 bzw. 7,5 Prozent. Gefährdet seien auch Alleinerziehende.
Brisant sei die Lage insbesondere in Großstädten und Ballungsräumen. Hier sei die Verschuldung insgesamt höher als in ländlichen Regionen. „Wir beobachten eine räumliche Verdichtung der Überschuldung“, sagt Rödl. „Es entwickeln sich richtige Schuldenghettos“.
Die Wirtschaftsauskunftei stellte allerdings deutliche regionale Unterschiede fest: Während es in Bayern und Baden-Württemberg relativ wenige überschuldete Haushalte gebe, ist die Zahl der überschuldeten Haushalte im Ruhrgebiet, in den Stadtstaaten Bremen und Hamburg, in Berlin und in Sachsen-Anhalt überproportional hoch. Die niedrigste Schuldnerquote in Deutschland hat der bayerische Landkreis Eichstätt (4,34 Prozent), die höchste Schuldnerquote hat Offenbach am Main mit 20,9 Prozent. Köln belegt im gesamtdeutschen Vergleich von 439 Städten und Kreisen nur Rang 394.
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