Vor kurzem geriet das von der US-Medienindustrie beauftragte Unternehmen MediaDefender ein Mal mehr in die Kritik. Die Anti-Filesharing-Spezialisten hatten den legal betriebenen BitTorrent-Tracker eines Internet-TV-Anbieters angegriffen und für Stunden unerreichbar gemacht.
Der betroffene Online-TV-Sender Revision3 reagierte zunächst mit größtem Unverständnis und drohte MediaDefender mit rechtlichen Schritten. Außerdem wurde die US-Bundespolizei FBI eingeschaltet, die inzwischen in dem Fall ermittelt. Jetzt hat MediaDefender zu den Vorwürfen Stellung genommen. Außerdem will Revision3 nun doch nicht vor Gericht ziehen.
Nach Angaben von Randy Saaf, Chef von MediaDefender, wussten er und seine Mitarbeiter nicht, dass es sich um einen legal genutzten Tracker handelte. Stattdessen waren sie davon ausgegangen, dass es sich um einen Tracker für illegale Downloads handelte, denn das System wurde zeitweise von einem bestimmten Internet-Portal zur Verbreitung von Torrent-Dateien genutzt.
Dies sei möglich gewesen, weil es sich zwar um einen eigentlich für legale Zwecke gedachten offenen Tracker handelte, dieser aber so auch für den Upload von Verweisen auf illegale Downloads offen stand. Insgesamt sollen laut MediaDefender fast 300.000 Downloads von illegal verbreiteten Filmen über den Tracker abgewickelt worden sein.
Lücke geschlossen, Problem ausgelöst
Als Revision3 dann kurz vor dem berichteten Vorfall eine Lücke schloss, so dass der Tracker nicht mehr für illegale Downloads genutzt werden konnte, löste gerade dies einen Denial-of-Service-Angriff durch MediaDefender aus. Da die Server der Anti-Filesharing-Spezialisten so konfiguriert sind, dass sie Tracker unter Beschuss nehmen, die plötzlich nicht mehr offen sind - weil man davon ausgeht, dass sie nun nur noch illegal genutzt werden - wurden auch die eigentlich legitim genutzten Server von Revision3 attackiert.
Der betroffene Online-TV-Anbieter will nun doch keine rechtlichen Schritte mehr gegen die Urheberrechtswächter einleiten, teilte das Unternehmen mit. Warum man sich zu diesem Schritt entschlossen hat, ist unklar. Das FBI ermittelt jedoch weiterhin, da nicht ausgeschlossen werden kann, dass MediaDefender mit seinen DDoS-Attacken gegen Gesetze verstößt.
In den USA sind Angriffe auf Computersysteme über das Internet eigentlich illegal. Die Rechtsprechung ist im Fall von Denial-of-Service-Attacken jedoch nicht eindeutig. Die von der Medienindustrie beauftragten Filesharing-Jäger von MediaDefender agieren also selbst in einer Grauzone. Das Unternehmen nutzt nach eigenen Angaben über 2000 Server, die mit einer Bandbreite von insgesamt 9 Gigabit pro Sekunde mit dem Internet verbunden sind.
Die Systeme werden offenbar nicht nur verwendet, um mit Fake-Trackern und Fake-Downloads den Bezug von illegalen Downloads zu erschweren, sondern auch um damit per Datenflut ganze BitTorrent-Tracker aus dem Netz zu befördern, egal ob es sich dabei um legale oder illegale Angebote handelt. Künftig will man immerhin prüfen, ob der jeweils verdächtigte BitTorrent-Tracker möglicherweise doch einem legal operierenden Unternehmen gehört.
