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Unitymedia setzt im Kabelstreit auf außergerichtliche Einigung mit ARD und ZDF

  • mandy28
  • 9. August 2012 um 22:06
  • mandy28
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    • 9. August 2012 um 22:06
    • #1
    Zitat


    06.08.2012 (Redaktion Infosat)

    Der Kabelnetzbetreiber Unitymedia Kabel BW will sich bei dem Streit um die Kabeleinspeisegebühren außergerichtlich mit ARD und ZDF einigen. „Wir setzen auf eine Lösung am Verhandlungstisch“, sagte Unitymedia-Chef Lutz Schüler dem „Handelsblatt“ (Ausgabe vom 6. August). Eine Klage gegen die Öffentlich-Rechtlichen – wie sie der Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland angekündigt hatte – will sein Unternehmen ausdrücklich nicht anstrengen. Schüler setzt vielmehr auf eine noch intensivere Zusammenarbeit mit den öffentlich-rechtlichen Sendern. „Wir können mit den Inhalten von ARD und ZDF auf unserer Kabelplattform ein deutsches Netflix auf die Beine stellen“, betonte er gegenüber der Zeitung.

    Dem Bericht zufolge führten Schüler und ZDF-Technikchef Andreas Bereczky bereits erste Gespräche über eine Integration der ZDF-Mediathek. Auch sei das Kabelunternehmen an der neuen Videoplattform „Germany’s Gold“ interessiert, die ARD und ZDF gemeinsam mit privaten Produktionsfirmen Ende des Jahres starten wollen. Die bereits vor geraumer Zeitraum angekündigte Multimedia-Plattform „Horizon“ soll indes im ersten Halbjahr 2013 starten, kündigte Lutz Schüler gegenüber dem „Handelsblatt“ an. Mit der neuen Plattform will das Kabelunternehmen Fernsehsender, Internet und persönliche Inhalte wie Fotos und Musik in einer Set-Top-Box zusammenführen.

    Während Unitymedia Kabel BW im Konflikt um die Einspeisegebühren auf außergerichtliche Verhandlungen setzt, geht Deutschlands größter Kabelnetzbetreiber, Kabel Deutschland (KDG), einen anderen Weg. Die KDG hatte eine Klage vor einem Zivilgericht gegen ARD und ZDF wegen der Kündigung der Einspeiseverträge zum Jahresende durch die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten angekündigt. „Wir sind davon überzeugt, die richtigen Argumente auf unserer Seite zu haben und sind entschlossen, unsere Position, auch im Interesse unserer Kunden, vor Gericht durchzusetzen“, hatte Adrian von Hammerstein, Vorstandsvorsitzender von Kabel Deutschland, Ende Juli der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ gesagt.

    ARD und ZDF hatten am 25. Juni die Kündigung der Einspeiseverträge mit den Kabelnetzbetreibern Kabel Deutschland, Unitymedia und Kabel BW mit Wirkung zum 31. Dezember 2012 bekannt gegeben. „Wir wollen kein Geld mehr für die Verbreitung unserer Kanäle zahlen“, bekräftigte Karola Wille, ARD-Kabelbeauftragte und MDR-Intendantin im Juni die Auffassung der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt, dass man im Streit um die Kabel-Einspeisegebühren zu keinen Zugeständnissen bereit sein würde. „Es ist nicht mehr zu rechtfertigen, dass Gebühren an Unternehmen gezahlt werden, die mit der Vermarktung unserer Programme gutes Geld verdienen“, sagte ZDF-Intendant Thomas Bellut (Digitalmagazin berichtete). Bei den bisher gezahlten Einspeisegebühren geht es um rund 60 Millionen Euro, die ARD, ZDF und Arte bislang pro Jahr an Kabel Deutschland und Unitymedia sowie Kabel BW zahlen – und zwar nur an diese großen Kabelunternehmen. Kleinere Netzbetreiber (im Besitz der Wohnungswirtschaft, des Handwerks und der Kommunen) sowie andere Unternehmen wie etwa die Telekom mit IPTV erhalten dagegen keine Vergütung für die Verbreitung.

    AREA DVD

  • Gast
    Gast
    • 10. September 2012 um 17:15
    • #2
    Zitat

    [h=2]„Kompromiss über Zahlung von Einspeiseentgelten nicht vorstellbar“ – Streit um Kabelverträge von ARD und ZDF[/h] [h=3]Digitalmagazin im Gespräch mit Jens-Ole Schröder, juristischer Direktor des MDR[/h] 10.09.2012



    Die ARD, die die Einspeiseverträge mit den großen Kabelnetzbetreibern zum Jahresende gekündigt hat, bleibt hart auf Kurs. Ein Kompromiss über die Zahlung von Einspeiseentgelten sei nicht vorstellbar, bekräftigt Jens-Ole Schröder, juristischer Direktor des MDR. Warum sich die ARD gemeinsam mit dem ZDF zu diesem Schritt entschlossen hat und warum dieses Vorgehen „längst überfällig“ war, erläutert Schröder im Gespräch mit Digitalmagazin.




    Digitalmagazin: Herr Schröder, ARD und ZDF haben die Einspeiseverträge mit Kabel Deutschland, Unitymedia und Kabel BW fristgerecht zum Ende des Jahres gekündigt. Warum ist die Entscheidung gerade jetzt gefallen?


    Schröder: Die Entscheidung, die Kabeleinspeiseverträge zu kündigen, ist schon etwas älter. Die ARD hat dies den Kabelnetzbetreibern schon vor vielen Jahren angekündigt und auch öffentlich darüber gesprochen. Der genaue Kündigungszeitpunkt ergibt sich aus der Laufzeit der Verträge: Diese wurden 2008 geschlossen und sind zu Ende 2012 erstmalig kündbar.


    Digitalmagazin: Die Öffentlich-Rechtlichen halten eine Einspeisegebühr generell für historisch überholt. Was heißt das konkret?
    Schröder: Die Breitbandkabelnetze in Deutschland wurden ursprünglich von der Deutschen Bundespost errichtet. Aus dieser Zeit stammt das Modell, dass Kabelnetzbetreiber von Rundfunkveranstaltern „Gebühren“ verlangen – als Beitrag für den Netzausbau. Diese Situation ist mittlerweile aber eine ganz andere. Die Kabelnetze sind längst privatisiert und Kabel Deutschland, Unitymedia und Kabel BW sind hochprofitable Wirtschaftsunternehmen. Sie stehen in einem Wettbewerb mit kleineren Kabelnetzbetreibern, IPTV- und Web-TV-Anbietern. Mit Ausnahme der drei großen Kabelnetzbetreiber erhält keiner dieser Anbieter, die Rundfunkprogramme in eigener Verantwortung vermarkten, von ARD-Anstalten Einspeiseentgelte. Diesen Paradigmenwechsel auch bei den großen Regionalgesellschaften vorzunehmen, war längst überfällig. Auch die großen Regionalgesellschaften vermarkten ihre Produkte an Endkunden und erhalten hierfür von diesen ein Entgelt. Eine zusätzliche Einspeisegebühr führt dabei zu einer ungerechtfertigten Doppelvergütung.


    Digitalmagazin: Wie ist die Kündigung mit den Programminteressen der Gebührenzahler vereinbar?
    Schröder: Die Rundfunkteilnehmer haben ein Recht darauf, dass die ARD die Gebührengelder vorrangig in die Herstellung attraktiver Programme investiert – statt mit ihren Geldern die Gewinne von Kabelnetzbetreibern zu vermehren. Die Kündigung der Einspeiseverträge dient der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit des Rundfunks und damit einem verantwortungsvollen Umgang mit Gebührengeldern.


    Digitalmagazin: Mittlerweile zeichnet sich mit Unitymedia eine außergerichtliche Einigung ab. Zuvor drohte der Kabelnetzbetreiber allerdings mit „Ausspeisung“…
    Schröder: Die ARD ist der Auffassung, dass die „Ausspeisung“ wichtiger ARD-Sender mit den gesetzlichen „Must Carry“-Regeln unvereinbar wäre und auch kartellrechtliche Fragen aufwerfen würde. Eine „Ausspeisung“ wäre aber auch nicht im Interesse von den großen Kabelnetzbetreibern und von deren Endkunden – denn diese können ja in vielen Fällen schnell und unkompliziert den Anbieter wechseln. Die ARD geht daher davon aus, dass auch nach dem Jahreswechsel alle wichtigen Programme bei Unitymedia weiter verfügbar sein werden.


    Digitalmagazin: Seit der Kündigung sind mittlerweile ein paar Wochen ins Land gegangen. Haben sich die Gemüter wieder beruhigt bzw. gibt es einen aktuellen Dialog?
    Schröder: Die ARD wird sich in Gesprächen mit den betroffenen Kabelnetzbetreibern im Rahmen ihrer Möglichkeiten für die Programminteressen ihrer Zuschauerinnen und Zuschauer einsetzen. Ein Kompromiss über die Zahlung von Einspeiseentgelten ist aber nicht vorstellbar. Wir wollen auch den großen Kabelkonzernen kein Geld mehr für die Verbreitung unserer Programme zahlen.
    Digitalmagazin: Herr Schröder, vielen Dank für das Gespräch.
    http://www.mdr.de/
    Hinweis: Lesen Sie ein ausführliches Interview mit Jens-Ole Schröder in der September-Ausgabe von INFOSAT. Das Heft 9/2012 ist im Handel erhältlich.
    Dies ist eine Meldung aus unserem digitalen Nachrichtendienst „Digitalmagazin“.

    Alles anzeigen


    „Kompromiss über Zahlung von Einspeiseentgelten nicht vorstellbar“ – Streit um Kabelverträge von ARD und ZDF - INFOSAT - Nachrichten - Kabel

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