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Warnung vor DVB-Kopierschutz - keine digitalen TV-Aufzeichnungen mehr

  • Gast
  • 18. März 2007 um 15:44
  • Gast
    Gast
    • 18. März 2007 um 15:44
    • #1

    Der US-Verbraucherverband Electronic Frontier Foundation (EFF) hat in drastischen Worten vor dem drohenden Kopierschutz digitaler Fernsehsignale mit der DVB-Erweiterung "CPCM" gewarnt.

    Mit der in künftigen digitalen Receivern, DVD-Rekordern und Fernsehern integrierten Technologie seien Lizenzinhaber in der Lage, teuer eingekaufte Unterhaltungselektronikgeräte per Knopfdruck in einen Briefbeschwerer zu verwandeln, hieß es in einer ausführlichen Stellungnahme der EFF am Mittwoch (Deutscher Zeit). Digital Broadcasting Video wird überwiegend in Europa, Australien, Afrika und Asien genutzt.

    CPCM soll nach Angaben der EFF weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit dafür sorgen, daß Inhalteanbieter die volle Kontrolle über die ausgestrahlten Sendungen erhalten, Zugriffe beliebig blockieren, die Nutzungsdauer festlegen, Aufnahmen von TV-Signalen auf DVD oder Festplatte verhindern, die geographische Nutzbarkeit mit integrierten GPS-Empfängern einschränken und missliebige Gerätehersteller komplett aussperren können. Mit anderen Worten: Aufzeichnungen und Nutzung von Fernsehsendungen für private Zwecke hängen in Zukunft vom Wohlwollen von TV-Sendern, Hollywood-Studios und Musik-Labels ab.

    Das Industrie-gesteuerte DVB-Konsortium hatte den Kopierschutz bereits Ende 2005 vorgelegt . CPCM ist eine Erweiterung der Digital-Video-Broadcasting-Norm (DVB die unter anderem bei digitalen Ausstrahlungen per DVB-T, Satellit und Kabel zum Einsatz kommt. Das Whitepaper ist hier abrufbar (PDF). Der Schutz soll nach früheren Angaben bei allen audiovisuellen Inhalten greifen und eine "flexible Nutzung der Daten in Hausnetzwerken oder bei Remote-Access-Zugriffen" gewährleisten. Die Entscheidung wird dabei allerdings in die Hände des Anbieters gelegt, der dann das Recht auf eine Privatkopie verhindern kann. Mit CPCM sollen künftig alle digitalen Ausstrahlungen versehen werden. Dem DVB-Konsortium gehören etwa 250 Sendeanstalten, Geräteproduzenten, Kabelnetzbetreiber und Software-Entwickler in 35 Ländern an.

    Hollwood & Co. verstießen damit einmal mehr gegen Verbraucherrechte, wetterte der EFF. Mit dem DRM-System versuchten die Rechteinhaber mit Gewalt, ihre Geschäftsmodelle durchzusetzen, wonach für jede Nutzung eines Medieninhaltes künftig einzeln und immer wieder gezahlt werden müssen. Aktuelle On-Demand-Angebote per Internet auch in Deutschland basieren schon jetzt auf Einzelabrufen und Abonnements, die nur für die Dauer des Vertragsabschlusses den Zugriff auf Videos oder Musik zulassen. Archivierungen sind gar nicht mehr zulässig.

    CPCM ist nach Ansicht der US-Verbraucherschützer nicht nur eine Bedrohung für Konsumenten, sondern auch für Hersteller, die durch die Kopierschutzvorschriften kaum noch innovative Geräte entwickeln können. Auch Open-Source-Entwickler und GNU/Linux-Software sind von der Abschottungspolitik zunehmend betroffen.

    Weil der Kopierschutz von der aktuellen Gerätegeneration nicht genutzt wird, sollen die Unterhaltungselektronikhersteller in den kommenden Jahren dazu gezwungen werden, eine entsprechende CPCM-Implementierung vorzunehmen, um offene Modelle schrittweise aus dem Verkehr zu ziehen. Eine Vorgehensweise, die auch bei Flachbildfernsehern mit HDMI-Schnittstelle vorexerziert wurde: Dort können ohne den verbraucherunfreundlichen Kopierschutz HDCP keine HD-Inhalte von Pay-TV-Sendern oder Blu-ray- bzw- HD-DVD-Medien mehr angezeigt werden.

    Die Politik leistet der Industrie dabei Vorschub: Statt die Lizenzinhaber dazu zu zwingen, dem Konsumenten die Kontrolle über gekaufte Inhalte an die Hand zu geben, werden Verbraucherrechte auch in Deutschland immer weiter eingeschränkt - in dem beispielsweise das Umgehen eines Kopierschutzes Straf- und Zivilrechtliche Konsequenzen nach sich zieht.

    Das DVB-Konsortium will unterdessen die CPCM-Umsetzung nach EFF-Angaben am liebsten auf europäische Ebene in eine entsprechende Richtlinie gießen. Derzeit liegt der Kopierschutz dem Standardisierungsgremium ETSI vor. Weil diese Organisation nur die technischen Aspekte einer Technologie verbabschiedet, nicht aber die verbraucher- und medienpolitischen Folgen berücksichtigt, ist mit einer schnellen Umsetzung zu rechnen.


    Quelle: Sat+Kabel

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