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Kahn in Kalkutta: Wenn Titanen gehen

  • Teufelchen
  • 26. Mai 2008 um 23:44
  • Teufelchen
    Gast
    • 26. Mai 2008 um 23:44
    • #1
    Zitat

    Oliver Kahn spielt sein letztes Spiel in Kalkutta - im zweitgrößten Stadion der Welt, gegen einen Gegner, der schon weit bessere Zeiten gesehen hat. Doch es geht um mehr als Gage und Geschenke.


    Eine größere Bühne hätte sich schwer finden lassen: Oliver Kahns wirklich allerletztes offizielles Spiel für den FC Bayern findet am 27. Mai 2008 im Salt Lake Stadium von Kalkutta statt, dem zweitgrößten der Welt - nur Pjöngjang gönnt sich ein noch größeres. Kahns Abschied wird eine doppelte Premiere sein: In Indien hat Kahn noch nie gespielt - und auch nicht vor den erwarteten 120.000 Zuschauern.Bildunterschrift: http://www.dw-world.de/popups/popup_l…7_ind_1,00.html

    Die Bayern nach Indien zu bringen, diese Idee beschäftigt Martin Hägele schon länger. Seit 2005 kümmert sich der ehemalige Journalist als "Leiter internationale Beziehungen" um die Auslandsvermarktung des deutschen Rekordmeisters. Hägele ist viel in Asien unterwegs: China, Japan, Indonesien, vor zwei Jahren ein erster Kalkutta-Besuch mit der Zweiten Mannschaft. Ein indisches Baukonsortium brachte schließlich die Gage für das Spiel gegen Mohun Bagan auf, den beliebtesten Club des Landes. Dieses Spiel könnte ein Meilenstein sein, glaubt Hägele: "Darüber wird man noch lange reden."

    Die Legende von 1911

    Fußball führt in Indien neben der nationalen Obsession Kricket ein Schattendasein. Kalkutta aber ist eine fußballverrückte Stadt. Bayerns Gegner Mohun Bagan rühmt sich einer glorreichen Geschichte von 120 Jahren. Mit leidenschaftlichen Fans, hitzigen Stadt-Derbys gegen die Erzrivalen vom Einwandererclub East Bengal - und vielen Legenden. Wie die von 1911, als im Finale des Turniers um den IFA-Shield erstmals überhaupt eine britische Mannschaft von Indern geschlagen wurde. Barfuß, wohlgemerkt. Der Sieg gilt als eine Sternstunde des indischen Nationalstolzes. "Deswegen haben die Briten die Hauptstadt im selben Jahr nach Neu-Delhi verlegt", meint Anjan Kumar Mitra, der Generalsekretär von Mohun Bagan.



    Man schwelgt in Kalkutta gern und oft in der Vergangenheit. Als die Briten von hier das Kronjuwel des Empires regierten, Rabindranath Tagore die stolze intellektuelle Kultur Bengalens begründete - und Sailen Manna, der indische Fußballer des Millenniums, die wohl stärkste indische Mannschaft aller Zeiten anführte. In den vierziger und fünfziger Jahren schlug Mohun Bagan auch europäische Spitzenmannschaften. Die Nationalmannschaft wurde anno 1950 sogar für die Weltmeisterschaft eingeladen, durfte dann aber nicht antreten – weil sie eben barfuß spielte. "Glauben Sie nicht, dass das Spaß machte, wir hatten einfach kein Geld", sagt Sailen Manna, inzwischen 84, den das Jahrbuch des englischen Fußballverbands von 1953 zu den zehn besten Spielern der Welt zählte. Siege von Mohun Bagan wurden zu Mannas Zeiten mit einem speziellen Krabbencurry gefeiert, erzählt man sich, Derby-Verlieren zum Spott verfaulter Fisch über die Tür genagelt - lang, lang ist`s her.

    Der riesige Zwerg

    Der einst so stolze Fußball ist international aussichtslos abgehängt. Jugendprogramme, Trainerausbildung, Marketing, funktionierende Ligen – als der Sport sich auch in Asien professionalisierte, verlor Indien den Anschluss. Korruption und Missmanagement ließen Indien zum Fußballzwerg schrumpfen. Auf der Weltrangliste steht das Land mit seinen 1,1 Milliarden Einwohnern auf Platz 151, zwischen Samoa und Montenegro. Selbst in Asien reicht es nur zu einem 26. Rang.



    An mangelndem Potenzial liegt die beschämende Bilanz nicht. Allein in Kalkutta gibt es hunderte von Fußball-Clubs. Sobald die Sonne nicht mehr gar zu unbarmherzig brennt, wird im Maidan, dem riesigen Park mitten in Kalkutta, gekickt wie in Rio oder Lagos. Meist ohne Schuhe, wie damals. Für indischen Fußball interessiert sich aber kaum einer. Internationaler Fußball läuft rund um die Uhr im Fernsehen, auf Pay-TV inzwischen sogar die Bundesliga – indischer Fußball kann da nicht mithalten. Der Niveau-Unterschied ist einfach zu offensichtlich. Selbst Club-Ikone Manna wollte zwischenzeitlich gar nicht mehr hinschauen. "Wir haben inzwischen das Geld, wir haben die Talente", sagt Manna. "Was wir brauchen, ist professionelle Hilfe."

    Das Missverhältnis zwischen den Möglichkeiten und dem Zustand des Fußballs hat inzwischen viele nach Indien gelockt. FIFA-Präsident Sepp Blatter besuchte im letzten Jahr Mohun Bagan, redete vom "schlafenden Riesen" und versprach zu helfen. Tatsächlich gibt es inzwischen Ansätze: 2007 wurde die professionelle I-League aus der Taufe gehoben, Fußballakademien werden gegründet. Die indische U-16 Nationalmannschaft erzielte zuletzt erstaunliche Ergebnisse. Mit viel Sponsorengetöse verkündete der indische Verband das Projekt WM 2018, Manchester United und Chelsea suchen mit Wanderfußballschulen nach dem indischen Beckham mit seinen schwindelerregenden Marketingmöglichkeiten.

    Vorgespielt haben in Indien aber schon lange keine Größen des internationalen Fußballs mehr. Die Bayern sind die ersten seit Cosmos New York mit Pele 1977. Entsprechend groß ist das Interesse, ja sogar die Dankbarkeit, auch wenn die Bayern ohne die Ribèrys, Tonis und Kloses kommen wird, die sich zeitgleich auf die Europameisterschaft vorbereiten. Schon wurde Oliver Kahn die Ehrenmitgliedschaft für Mohun Bagan angetragen. Die Zeitung "Indian Express" will von einem pompösen Gastgeschenk für Oliver Kahn erfahren haben, einem Fußball aus Gold und Diamanten.

    Die Bayern wollen aber mehr als Gage und Geschenke: Rund um den großen Auftritt will Hägele Möglichkeiten für längerfristige Kooperationen ausloten, wie sie die Bayern zum Beispiel schon mit den Urawa Red Diamonds aus Japan pflegen. Dafür ist in der Delegation auch eine Bayern-Größe dabei, die einst keine ganz so große Bühne für ihren Abschied wie Oliver Kahn bekam: Manager Uli Hoeneß.

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    Quelle

  • Capt.Solo
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    Beiträge
    1.093
    • 27. Mai 2008 um 06:05
    • #2

    ZU sehen heute Live auf N24 , wer also das letzte Pflichtspiel von Oliver Kahn und Ottmar Hitzfeld sehen möchte ..... ab 14.00 Uhr.

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