Schalke versinkt zum Saisonhöhepunkt im Chaos
Josef Schnusenberg gelobte Besserung. "Wir müssen in Zukunft mit einer Stimme sprechen", hatte der Präsident von Schalke 04 am Rande des Abschlusstrainings im Estadio do Dragao erklärt, als wenige Meter weiter ein bemerkenswertes Schauspiel ablief. Manager Andreas Müller berichtete dem Pay-TV-Sender Premiere gerade wortreich vom Schulterschluss in der Trainerfrage und der weiteren Zusammenarbeit mit Mirko Slomka, da wurde ein Interview mit seinem Vorstandskollegen Schnusenberg eingespielt. "Wenn wir gegen Porto ausscheiden und in der Liga die nächsten fünf Partien verlieren, soll ich dann sagen: Mirko Slomka ist ein guter Trainer, er bleibt bei uns?", hörte Müller seinen Präsidenten sagen, und seine Gesichtszüge entgleisten.
Manager Müller ringt um Fassung
"Ich bin etwas überrascht über die Aussagen", sagte der Manager und rang um Fassung. "Am Sonntag haben wir ganz klar festgelegt, dass wir mit Mirko auf jeden Fall die Saison durchmachen." Als die Kameras ausgeschaltet waren, diskutierten die beiden Vorstandskollegen noch gestenreich am Spielfeldrand, während Trainer Slomka wenige Meter entfernt seine Spieler auf das Achtelfinal-Rückspiel in der Champions League beim FC Porto vorbereitete. Klar ist auch nach der Aussprache am vergangenen Sonntag: Schnusenberg ist weiterhin davon überzeugt, dass der aktuelle Coach dem ambitionierten Traditionsklub auf Dauer nicht weiterhilft.
Öffentliche Prügel gehen nah
Dass er für die vor gut einer Woche angezettelte Trainerdiskussion öffentlich Prügel bezog, ist dem 67-Jährigen durchaus nahegegangen. Sein verzweifelter Versuch, nach der 0:1-Heimpleite gegen Bayern München den ZDF-Kameras ohne eine Stellungnahme zu entkommen, habe "doof ausgesehen", gibt er im Gespräch zu. "Das hätte ich souveräner lösen müssen."
Der böse Bube ist irritiert
Dass ihn Ex-Trainer Udo Lattek im DSF persönlich angriff und ihm Profilneurose unterstellte ("Wer würde Schnusenberg ohne Schalke kennen?"), ärgert ihn besonders. "Da setzt sich einer hin und beschimpft einen, ohne dass man sich wehren kann." Auch habe er nicht ganz verstanden, warum er "plötzlich der böse Bube ist". Weiterhin, so ist deutlich zu spüren, sieht sich der Steuerberater aus Rheda-Wiedenbrück in der Sache im Recht. Auch wenn er zugibt, er sei "ein bisschen zu ungeduldig" gewesen und man hätte das Thema zunächst intern klären müssen. Schweigen will der Klubchef, der bis zu seiner Ernennung zum Präsidenten im vergangenen Jahr als "Herr der Zahlen" eher still im Hintergrund arbeitete, aber auch in Zukunft nicht.
Zahlen sprechen für den Präsidenten
"Eine kalte, stereotype Atmosphäre passt nicht zu diesem Verein, das will ich nicht", sagt er. "Aus Reibung entsteht Feuer." Wie wenig er mit der sportlichen Entwicklung des Vizemeisters zufrieden ist, wird deutlich, wenn er sagt: "In meinem Bereich, im Rechnungswesen, in der Buchhaltung, da sind wir wirklich Champions League. "In der Tat kann Schnusenberg beeindruckende Zahlen vorlegen. Einen Rekordumsatz von 155 Millionen Euro hat Schalke im vergangenen Jahr verbucht, dank der Millionen aus der Champions League. Die eigenfinanzierte Arena ist 2015 komplett abbezahlt, mit dem russischen Energieriesen Gasprom hat der Klub einen der spendabelsten Geldgeber der Bundesliga.
Trainer mit internationalem Standing gesucht
Dass der mit rund 50 Millionen Euro jährlich großzügig entlohnte Spielerkader unter der Führung Slomkas den hohen Ansprüchen weit hinterherhinkt und gerade dabei ist, die erneute Champions-League-Qualifikation zu verspielen, wurmt Schnusenberg gewaltig. Deshalb dachte er laut über einen "Trainer mit internationalem Standing" nach. Und deshalb sagt er weiter seine Meinung, auch wenn Schweigen vielleicht klüger wäre.
Gruss burmtor
