Traum-Fußball mit Bayern-Gütesiegel
Aus Pretoria berichtet Patrick Brandenburg
Shooting-Star Thomas Müller hatte mal wieder die beste Antwort parat. Nach dem grandiosen Sieg zum WM-Auftaktüber Australien wurde der freche Münchner gefragt, ob Deutschland nun Van-Gaal-Fußball spiele: spektakulär und erfolgreich wie der FC Bayern jüngst in seiner Traumsaison, die fast mit dem Triple aus Meisterschaft, Pokal und Champions League gekrönt worden wäre. "Nee", widersprach Müller lässig, "das ist 'Louis-van-Löw-Fußball'".

Doch es lässt sich nicht bestreiten. Bei allen taktischen und personellen Unterschieden hat das Spiel der deutschen Nationalelf viele Anleihen am Systemfußball Münchner Prägung genommen. Das Rückgrat der Nationalelf besteht aus Münchner Spielern. Gleich fünf der insgesamt sieben Bayern im WM-Kader standen in Durban auch in der Startelf. Neben Kapitän Phillip Lahm, Bastian Schweinsteiger und Miroslav Klose waren das noch Müller und der zweite Aufsteiger der Saison, Abwehrtalent Holger Badstuber. "Das ist von großer Bedeutung für unser Spiel", outete sich Klose als Verfechter der Bayern-Blockbildung – obwohl er zuletzt als Bankdrücker in seinem Klub gar nicht so oft mit den Kollegen praktizieren konnte.
Tausendmal einstudiert
"So lassen wir den Gegner sehr viel laufen und uns gelingen gute Ballstaffetten", erläuterte der Nationalstürmer. Es sind diese Automatismen, die Bundestrainer Joachim Löw immer wieder einfordert und die insbesondere von den Münchnern geliefert werden, egal ob Stamm- oder Ergänzungsspieler. So war das 2:0 durch Klose hundertprozentig ein Treffer mit dem Gütesiegel FC Bayern. Flanke Lahm, Kopfball Klose. Tausendmal im Training einstudiert.
Nicht einmal der Bundestrainer wollte eine gewisse Analogie von der Hand weisen. Zwar habe sein Team keine Flügelzange Robben/Ribéry. Doch "gewisse Vergleiche sind möglich", so Löw. "Eine gute Raumaufteilung ist für Kombinationsfußball absolut notwendig. Das hat den Münchnern in der Liga Vorteile verschafft und das gilt auch für uns." Auch in dieser Hinsicht sei der Schlüssel: Übung macht den Meister. Wenn dann der Stamm der Mannschaft die Spielweise bereits verinnerlicht hat, umso besser. Das hat schon mit dem Bayern-Block beim Titelgewinn 1974 geklappt, dabei stand damals viel mehr Zeit für die Vorbereitung und das Testen von Alternativen zur Verfügung.
Die Münchner von heute bringen zudem das oft zitierte Bayern-Gen mit in den Kader. Der Gewinn des Doubles und das Erreichen des Finals in der Champions League vor wenigen Wochen hat die Spieler unglaublich selbstbewusst gemacht, selbst Sorgenkinder wie Klose oder DFB-Bankdrücker wie Mario Gomez und Jörg Butt. Nicht zu vergessen die Generation Gerland, die das Nationalteam aufmischt und beständig wächst. Lahm, Schweinsteiger, und Piotr Trochowski sind Routiniers und nun kommen auch noch Badstuber, Müller und Leverkusen-Rückkehrer Toni Kroos dazu.
WM-Trophäe statt Triumph in der Champions League?
Sie alle sind durch die harte Ausbildung des Münchner Jugendtrainers Hermann Gerland gegangen und das DFB-Team profitiert von ihrer frechen Art: "Einfach drauflos. Unbekümmert. Keine Gedanken machen. Eben die Gerland-Schule", erklärte Klose das Erfolgsgeheimnis von Müller und Co. Und nicht zu vergessen: immer hohe Ziele angreifen. Vielleicht wollen sich die Münchner über Umwege doch noch das Triple sichern. Die WM-Trophäe wäre jedenfalls ein mehr als gleichwertiger Ersatz für den entgangenen Henkelmann in der Champions League.
Quelle: t-online
