Fußball-Fans droht ein Spieltag im Häppchen-Format
Bundesliga-Live-Übertragung: Ein Kameramann bei seiner Arbeit 
Im Hinblick auf die Saison 2009/2010 müssen sich die Fußball-Fans in Deutschland durch die anstehende Neuordnung der Bundesliga-Fernsehrechte auf einen radikalen Schnitt einstellen. Nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) droht neben einer bislang ungewohnten Aufteilung des Spieltages im Häppchen-Format auch der Verlust der ARD-Sportschau. Eine kompakte Berichterstattung am frühen Samstagabend würde somit der Vergangenheit angehören.
Weitere "Rechteverwerter" bekunden Interesse
"Der Spieltag der Zukunft wird eine komplett andere Veranstaltung", prophezeite zuletzt bereits der Vorstandsvorsitzende des deutschen Rekordmeisters Bayern München, Karl-Heinz Rummenigge, zugleich Vorstandsmitglied des Ligaverbandes. Bis es zur offiziellen Ausschreibung der Medienrechte ab der Spielzeit 2009/2010 kommt, muss sich die Deutsche Fußball Liga (DFL) aber offenbar weiter in Geduld üben. Denn nachdem vor rund anderthalb Wochen das Bundeskartellamt im Zuge der Ermittlungen gegen den deutschen Fußball neben den Profiklubs auch den Fernsehsendern einen Fragenkatalog hatte zukommen lassen, haben sich nach Informationen von "Werben & Verkaufen" weitere "Rechteverwerter" bei der Behörde gemeldet, die an der Befragung potenzieller Abnehmer teilnehmen möchten.
Ligaverband stellt Rechtepakete vor
Der Fragenkatalog besteht laut "FAZ" allerdings nicht nur aus detaillierten Fragen zu dem Verkauf der Medienrechte ab 2009. Dem Dokument ist ein Anhang beigefügt, der die Pläne von Liga und Kirch offenbart. Demnach trägt das zweiseitige Papier den Titel "Grundsätze der Vermarktung der Medienrechte an den Meisterschaftsspielen der Bundesliga". Der Ligaverband stellt darin die einzelnen Rechtepakete vor, die von den TV-Sendern erworben werden können.
Einzelspiele wie in der Premier League durchaus möglich
In dem komplizierten Konstrukt werden den Fernsehsendern "mindestens fünf separate Pakete für Live-Spielübertragungen zu unterschiedlichen Anstoßzeiten" angeboten. In Zukunft könnte es wie in der englischen Premier League auch am Samstag ein Einzelspiel geben, das nicht wie gewohnt um 15.30 Uhr angepfiffen wird, sondern erst am Abend. Damit soll das Interesse der Privatsender an Bundesliga-Live-Spielen geweckt werden. Auch für Freitag und Sonntag sind Einzelspiele vorgesehen.
Sportschau erst samstags um 22 Uhr?
Schlechte Karten beim anstehenden Poker scheint insbesondere die ARD-Sportschau zu haben. Die DFL bietet den Sendern zwei Pakete für die Erstzusammenfassung im frei empfangbaren Fernsehen an. Das eine Paket ermöglicht der ARD, die Sportschau mit den beliebten Zusammenfassungen der Bundesligaspiele am Samstag ab 18.30 Uhr auszustrahlen. Das andere Modell sieht dagegen eine Verschiebung der ersten Zusammenfassungen des Spieltags auf 22.00 Uhr vor.
Premiere will mehr Exklusivität
Die Liga hält sich beide Modelle offen. Die ARD hat dem zweiten Modell allerdings schon Ende Januar eine Absage erteilt. "Es wird ganz eng", sagte die für die Sportschau verantwortliche WDR-Intendantin Monika Piel und stellte klar: Sollte eine Bundesliga-Sendung im Free-TV erst nach 20.00 Uhr zugelassen werden, werde die ARD nicht mitbieten. Der Pay-TV-Sender Premiere, der bisher die Bundesliga live zeigt, dringt allerdings auf mehr Exklusivität. Wenn die Bundesliga entscheidend mehr Geld aus dem Pay-TV-Bereich generieren möchte, dann muss die DFL die Sportschau auf den späten Abend oder ganz aus dem Programm verbannen.
Auch Übertragungsrechte für bestimmte Netze käuflich
Im Pay-TV droht die Bundesliga ohnehin kompliziert zu werden. Denn die Rechtevergabe im Bezahlfernsehen soll laut Grundsatz-Papier der DFL nach Übertragungswegen aufgesplittet werden. Demnach soll es getrennte Rechtepakete für Satellitenempfang, die Übertragung durch große Kabelnetzbetreiber und DSL-Anbieter sowie durch kleine Kabelbetreiber geben. Um Kabelkonzerne wie Unity und Kabel Deutschland KDG anzulocken, sollen diese zudem erstmals auch Übertragungsrechte nur für ihre Netze statt für ganz Deutschland kaufen können. Für den Zuschauer bedeutet das, dass es je nach Wohnort, Empfangsart und Netzbetreiber wohl verschiedene Anbieter, Preise und Empfangsdecoder geben wird.
Gruss burmtor
