Keine Reaktion ist auch eine Reaktion
Oliver Kahn 
Wer sich beim Anblick der bayerischen UEFA-Pokal-Darbietung in St. Petersburg schon 90 Minuten lang verschreckt die Augen gerieben und nur am russischen Gastgeber erfreut hatte, der musste anschließend seinen Gehörgang durchputzen. Zu hören waren ein ehemaliger Welttorhüter, der sich so gar nicht über satte vier Gegentore und die höchste Klatsche seiner 142 Partien andauernden Europapokalkarriere zu ärgern schien. Und ein Manager, der sich "hochzufrieden mit dieser Saison" zeigte. Nach Niederlagen - wehrlos hingenommenen zudem - bricht er normalerweise mindestens so aus wie der Vul-Kahn im Tor.
Bayern hat Zenit unterschätzt
Was lernte der Zuhörer? Der UEFA Cup war und ist dem FC Bayern praktisch egal, weil er ihn von Anfang an als Betriebsunfall begriff. Oliver Kahn und Uli Hoeneß werden zum Ende ihrer Laufbahnen altersmilde. Vor allem aber zeigte die seltsame Wortwahl eines: Dass keiner zugeben wollte, den groß aufspielenden Gegner - trotz dessen 4:1 in Leverkusen - schlichtweg unterschätzt zu haben.
Nichts schlecht reden
Dies zu verschleiern funktioniert, wenn die eigene Leistung klaglos hingenommen wird. "Ich bin jetzt weit davon entfernt, irgendetwas schlecht reden zu wollen", meinte Kahn am Mikrofon des Bezahlsenders "Premiere". Wie bitte? Schlecht reden? Ein 0:4? Die derbste Europapokalpleite seit dem 2:6 von Kopenhagen am 23. Oktober 1991? Wenigstens beschönigte der 38-Jährige aber auch nichts. Kahn: "Wir haben heute eines unserer schlechtesten Spiele überhaupt gemacht." Die Aufmerksamkeit wurde jedoch entweder auf das Können des Siegers ("Wir sind an einer Mannschaft gescheitert, die klasse war, die super gespielt hat") gelenkt, oder aber auf eine vorweg genommene Bilanz der Spielzeit.
UEFA Cup nicht lebenswichtig
"Die Mannschaft hat Großartiges geleistet in dieser Saison", unterstrich Kahn, der sich das Erreichte "nicht kaputt quatschen" lassen wollte. Und Hoeneß legte nach: Aus seiner Sicht seien "alle unsere Ziele erreicht" worden. Widerspricht es aber nicht aufs Ärgste der Ethik eines Sportlers, einen Wettbewerb ohne den festen Willen aufzunehmen, ihn auch zu gewinnen? "Das war hier der UEFA Cup. Es wäre schön gewesen im Finale", sinnierte Kahn vor sich hin, "aber es ist nicht lebenswichtig für den Verein oder für die Spieler." Denn: Der für die Bayern wirklich bedeutende Pott ist erst in der kommenden Saison wieder greifbar. "Wir sind nächstes Jahr in der Champions League, wo wir schon lange wieder hingehören", sagte Hoeneß nach dem 0:4 in St. Petersburg - dem fünften Europapokalmatch des deutschen Rekordmeisters ohne Sieg in Folge.
Nacht von Getafe für die Katz'
In Getafe hatte die nunmehr "müde Mannschaft" (Hoeneß) noch Himmel, Hölle, Kahn und Luca Toni in Bewegung gesetzt, um das vorzeitige Viertelfinal-Aus abzuwenden. Dabei hatte - wie Kahn anschließend untermauerte - der Mächtigste seine Hand im Spiel gehabt: "Der liebe Gott wollte nicht, dass wir ausscheiden." Nur drei Wochen später so fahrlässig mit einem Geschenk von höchster Stelle umzugehen, gehört sich nicht. "Ich bin etwa 20 Minuten traurig gewesen", beschrieb Hoeneß das Ausmaß seines Bedauerns, "und jetzt ist es schon vorbei." Kahn - angenervt davon, dass die Fragenden enttäuschter schienen als die Beteiligten - ging noch einen Schritt weiter: "Soll ich mich jetzt umbringen, oder was? Jetzt ist es halt aus."
Bald wieder im UEFA Cup?
Im September feiern die Champions League und der FC Bayern Wiedervereinigung. Dann bewegt sich der designierte Meister unter seinesgleichen, auf gewohntem Terrain. Mit Leistungen wie im zu Ende gehenden UEFA Cup aber nicht lange. Damit ist selbst die Gruppenphase kaum zu überstehen. Anschließend könnten die Münchner den nächsten Versuch starten, wieder den UEFA Cup zu gewinnen...
Gruss burmtor
