[SIZE="4"]Eigentlich war die alte Liebe längst erloschen, wurde aber durch die erfolgreiche Mission beim FC Bayern neu entfacht. Fußball-Veteran Jupp Heynckes konnte der erneuten Verlockung nicht widerstehen.[/SIZE]
Obwohl er nach seinem Fünf-Spiele-Job in München mit der Arbeit als Trainer abgeschlossen hatte, ließ sich der Frührentner abermals zu einem Comeback überreden. Kurzentschlossen besiegelte er am 05. Juni per Handschlag eine zweijährige Zusammenarbeit mit Bayer Leverkusen und wurde nun in Leverkusen offiziell vorgestellt. Das Happy End beim Rekordmeister, mit dem er nach 13 Punkten aus fünf Partien noch den Einzug in die Champions League geschafft hatte, sorgte für einen Sinneswandel: «Während meines kurzen Gastspiels in München habe ich gemerkt, dass es noch in mir brennt und jetzt nicht lange gezögert», bekannte Heynckes.
Ausschlaggebend für die überraschende Rückkehr von Heynckes auf die Fußballbühne seien die Möglichkeiten, die ihm bei den Gesprächen mit Sportdirektor Rudi Völler und Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser aufgezeigt wurden. «Bayer ist ein seriös geführter Verein mit einem großen Spieler-Potenzial, mit dem ich einiges entwickeln kann», sagte Heynckes. Doch nicht nur die Fakten, auch sein «gutes Bauchgefühl» sei entscheidend gewesen: «Durch meine Arbeit in München haben sich einige Clubs auch aus dem Ausland an mich erinnert. Einen anderen Verein als Leverkusen hätte ich aber nicht übernommen.»
Auf dem derzeit ohnehin schlagzeilenträchtigen Trainermarkt sorgte Leverkusen für den wohl größten Coup. Nach den fehlgeschlagenen Versuchen, mit jungen Trainern wie Michael Skibbe und Bruno Labbadia den eigenen ambitionierten Ansprüchen gerecht zu werden, setzt die Clubführung nun auf Routine. Der mit 64 Jahren älteste Bundesliga- Trainer soll das junge, launische Bayer-Team auf Vordermann bringen. «Jupp Heynckes hat eine natürliche Autorität. Wir gehen unsere Richtung weiter, eine junge Mannschaft aufzubauen», sagte Völler. Künftiger Co-Trainer soll der frühere Leverkusener Peter Hermann werden, der allerdings noch beim 1. FC Nürnberg unter Vertrag steht. Der in die Kritik geratene Holzhäuser-Assistent Michael Reschke soll indes eine neue Aufgabe im Verein erhalten.
Der nach seinem rund zweijährigen Rückzug ins Private fast in Vergessenheit geratene Heynckes ist in den Bundesliga-Chefetagen urplötzlich wieder erste Wahl. Hämische Kommentare wie die des einstigen Schalke-Managers Rudi Assauer, der den Fußball-Lehrer im September 2004 nach gut 14 Monaten mit der Aussage «Der Jupp ist ein Fußballer der alten Schule, aber wir haben 2004», verabschiedet hatte, sind längst vergessen. Erfolge wie der Triumph in der Champions League mit Real Madrid (1998) und die deutschen Meistertitel mit Bayern München (1989/1990) gelten vielerorts wieder mehr als innovative Konzepte junger Trainer.
Anders als zuletzt in München soll Heynckes auf seiner insgesamt zwölften Trainerstation nicht als «Feuerwehrmann», sondern als Stratege mit langfristiger Zielsetzung wirken. «Die Mannschaft ist entwicklungsfähig und hat schon in der letzten Saison in einigen Spielen Fußball auf höchstem Niveau gezeigt», sagte Heynckes. Selbstverständlich sei es für ihn, dass die Zielsetzung ein Platz im internationalen Geschäft sein muss. «Wir wollen eine Harmonie schaffen, in der die Spieler sich wohl fühlen. In dieser schnelllebigen Zeit ist es wichtig, den Druck von den Spielern zu nehmen», erklärte Heynckes. Beraten habe er sich über das Jobangebot mit dem befreundeten Bayern-Manager Uli Hoeneß und seiner Ehefrau. «Sie meinte aber, dass ich sowieso mache, was ich will», erzählte der Coach.
Damit wird wahr, was er schon vor zwei Wochen bei seinem umjubelten Abschied aus München angedeutet hatte: «Ich bin kein Mensch, der jetzt sagt, das war es. Normalerweise möchte ich meine Trainerlaufbahn beenden, aber vielleicht braucht man mich irgendwann wieder mal.» Dass er gesundheitliche Probleme inzwischen ebenfalls überwunden habe, verschärfte die Freude an der Arbeit: «Es geht mir gut. Ich bin schließlich ein Kind der Bundesliga und habe wieder Gefallen an meinem Job gefunden.»
Die Leverkusener hatten gut zugehört. Der Entschluss des bisherigen Trainers Labbadia, zum Hamburger SV zu wechseln, ebnete den Weg für die überraschende Verpflichtung von Heynckes. «Wir hatten uns für eine Fortsetzung der Zusammenarbeit ausgesprochen. Mit der nötigen Flexibilität kann er ein großer Trainer werden - aber Bruno wollte einen Neuanfang», sagte Geschäftsführer Holzhäuser. Immerhin kassierte Bayer für den Wechsel des noch ein Jahr vertraglich gebundenen Labbadias dem Vernehmen nach eine Ablöse von 1,3 Millionen Euro. Das in aller Eile getroffene Votum für Heynckes rechtfertigte Völler: «Wir wollten mit Labbadia weitermachen, haben uns aber immer gefragt: Was wäre wenn? Jupp Heynckes stand immer an erster Stelle. Er ist authentisch.»
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